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Custom KI-Software-Build: 6 Wochen oder 6 Monate

Baybora Gülec18. April 20268 Min.

TL;DR

  • 6 Wochen sind ein Pilot-Fenster, 6 Monate sind das Production-Fenster. Beides ist realistisch — der Unterschied liegt in Härtung, Compliance und Skalierung.
  • Liefermodell ist Drei-Rollen-getrennt: Senior-Architect on-shore trägt Architektur und Sicherheit, Junior-Konsulent hält die Brücke zum Kunden, Build-Bench off-shore übernimmt Routine-Implementierung.
  • IP und Quellcode bleiben zu 100 % beim Kunden, Repository in deutscher Cloud — vertraglich fixiert, nicht verhandelbar.
  • Die meisten Mandate starten mit 6 Wochen und entscheiden in Woche 5, ob Production angeschlossen wird.

Was geht in 6 Wochen?

Sechs Wochen sind ein Pilot-Fenster. Der Anspruch: ein funktionierender Anwendungsfall, der den Hebel beweist und nutzbar ist. Nicht: Production-Skalierung, Audit-Compliance, Multi-Tenant.

KI-Dashboard auf Bildschirm in modernem Büro
Nach 6 Wochen Pilot: funktionierender Anwendungsfall, Repo-Übergabe, kein Lock-in.

Konkret machbar:

  • Voice-Agent (eingehend, einsprachig) — Anruf an Twilio-Nummer, Whisper-Transkription, Claude-Antwort, Synthese zurück. Terminvereinbarung, Status-Anfrage, FAQ-Bot. Demo nach 4 Wochen, Pilot-Betrieb ab Woche 6.
  • Einfache OCR-Pipeline — PDF-Upload (Verträge, Rechnungen, Lieferscheine), Strukturextraktion via Claude Vision, JSON in Datenbank, Web-Frontend zur Sichtkontrolle. 200–500 Dokumente/Tag.
  • Multi-Agent-Stub — 2–3 Agenten in Sequenz, einfache State-Machine, hartcodierter Workflow. Demo eines Anwendungsfalls. Keine produktive Compliance, keine Audit-Logs.
  • WhatsApp-Bot — Webhook-Empfang, Claude-Antwort, optional Produkt-Lookup. Pilot mit 1 Nummer.
  • Internes Dashboard mit KI-Suche — Vector-Embedding über bestehende Dokumente, Such-UI, Top-5-Treffer mit Snippet.

Was nicht geht in 6 Wochen: Mehrsprachigkeit über 3 Sprachen, Compliance-fertige Audit-Logs, Multi-Tenant-Architektur, komplexe Berechtigungs-Modelle, regulierte Branchen (BaFin, KRITIS, MDR).

Was braucht 6 Monate?

Sechs Monate sind das Production-Fenster: ein System, das skaliert, auditierbar ist und ohne Hand-Anlegen läuft. Das Verhältnis verschiebt sich — typisch 30 % neue Features, 70 % Härtung, Tests und Compliance.

  • Multi-Agent-Production-System mit Compliance — orchestrierte Agenten, persistente State-Machine, Audit-Log pro Schritt, Replay-Fähigkeit, Berechtigungs-Modell, mehrsprachig. Beispiel: vollständiger Vertrieb-Agent mit Lead-Qualifizierung, Angebots-Erstellung, Auftragseingang.
  • Komplexe Process-Automation — Anbindung an SAP, DATEV, CRM, Lieferanten-APIs. Idempotenz, Retry-Logik, Fehler-Routing an Mensch, End-to-End-Tests mit echten Lasten.
  • Branchen-Lösungen mit regulatorischem Scope — MedTech, Versicherung, Banking. Inkl. BSI-Grundschutz-Mapping, DSGVO-Audit, ISO-27001-konformes Logging.
  • Voice-Agent mit Plattform-Charakter — Multi-Mandant, Routing-Engine, externe IVR-Anbindung, Live-Transfer an Mensch, Sprache-Switching im laufenden Gespräch.

Wie wir Senior, Junior und Bench orchestrieren

Das Liefermodell ist Drei-Rollen-getrennt:

Entwickler-Setup mit blau-grünem Code-Editor
RolleAufgabePilot6-Monats-Build
Senior-Architect on-shoreArchitektur, Code-Review, Sicherheit, Kundenkommunikation8–12 Tage20–35 Tage
Junior-Konsulent on-shoreAnforderungs-Aufnahme, Brücke Senior↔Bench, Test-Begleitung3–6 Tage15–25 Tage
Build-Bench off-shoreRoutine-Code, Tests, Deployment-Skripte, Doku20–40 Tage80–140 Tage

Der Junior-Konsulent ist der Versicherungs-Mechanismus: Steckt der Senior in einem anderen Mandat, hat der Kunde weiterhin einen deutschen Ansprechpartner mit Zugriff auf alle technischen Entscheidungen. Die Bench redet nie direkt mit dem Kunden — Senior und Junior sind das Interface.

Drei-Rollen-Liefermodell

KundeInterface bleibt on-shore
Senior-ArchitectArchitektur, Sicherheit, Review — on-shore
Junior-KonsulentBrücke zum Kunden, on-shore
Build-BenchRoutine-Implementierung, off-shore
Senior und Junior halten die deutsche Kundenschnittstelle, die Off-Shore-Bench baut — der Kunde spricht nie direkt mit der Bench.

Ablauf-Beispiel: 6-Wochen-Pilot

WocheSeniorJuniorBench
1Architektur, Setup-RepoAnforderungs-Workshop
2Code-Skelett, SchnittstellenTest-Daten besorgenBoilerplate, CI-Setup
3Erste Code-ReviewKunden-Demo SkeletonFeature-Implementierung
4Sicherheits-ReviewTest-BegleitungFeature-Implementierung
5Final Review, DeploymentPilot-BegleitungBug-Fixes, Doku
6Übergabe-WorkshopSchulung Kunden-TeamRepository-Übergabe

Resultat: Pilot läuft auf Produktionsserver, Kunde hat Repository-Zugang, Senior- und Junior-Kontakt für Folge-Phasen.

IP und Quellcode zu 100 % beim Kunden

Die häufigste Sorge im Erstgespräch — und der wichtigste Vertrauens-Anker:

  • Repository in deutscher Cloud (Hetzner / IONOS / OVH). Kein US-GitHub-only.
  • Quellcode-Übergabe nach jeder Phase, spätestens am Ende des Pilots. Kein "Wir geben den Code, wenn Sie weiterarbeiten".
  • Vollständige Dokumentation — Setup, Deployment, Architektur, API-Docs.
  • Kein Lizenzrecht für uns. Sie können später mit jeder anderen Agentur weiterarbeiten — der Repo-Export reicht.
  • NDA und Zugriffs-Logging Standard. Bench-Entwickler arbeiten remote per VPN, kein lokaler Code auf ihrem Rechner.

Wer ein Modell anbietet, bei dem der Code "mit der Agentur bleibt", hat ein anderes Geschäftsmodell — wir nicht.

Wann welches Fenster passt

  • 6 Wochen — Sie wollen einen Hebel beweisen, einen Anwendungsfall live testen, Fördermittel sinnvoll einsetzen, ohne sich auf 6 Monate festzulegen.
  • 6 Monate — Sie haben den Hebel verstanden, ein Pilot läuft, und Sie wollen Production.

Kein Mittelständler sollte sich auf einen mehrmonatigen Build verpflichten, ohne den Hebel im eigenen Betrieb gesehen zu haben. Die richtige Reihenfolge: Pilot zuerst, Production-Entscheidung in Woche 5.

Custom-Build im Detail → /foerderung/custom-build · Beispiel-Rechnung anfragen → /anfrage

Weiterführend im Themenfeld: go-digital-Workshop: Wer bekommt die Förderung? und Was 47 Mittelständler über KI wissen.

Baybora Gülec· Gründer, Azena

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